Der Luftwaffen Einsatzhafen "Schafweide" in Merzhausen bei Usingen 1937 - 1945



 

Hintergrundinformationen und Entstehung des Luftwaffen Einsatzhafen 

Der Flugplatz Merzhausen (im Taunus) wurde im Jahr 1937 angelegt. Er wurde als Einsatzhafen der II. Klasse errichtet und war fester Bestandteil des Führerhauptquartiers "Adlerhorst"! Der Platz erhielt den Decknamen "Schafweide"!  Das Gelände wurde bis zum eintreffen der ersten fliegenden Einheiten (Februar 1940) vom Platzwirt auch mit Schafen bewirtschaftet. Der Flugplatz hatte keine fest angelegt oder Betonierte Start und Landebahn. Der Grund dafür war die Tarnung der Anlage. Man versuchte mit Hilfe der natürlichen vorkommende Vegetation und einer Landwirtschaftlichen Nutzung die wahre Bedeutung des Geländes zu verschleiern und diesen somit zu tarnen. So wurde zum Beispiel der Rasen auf der Start und Landebahn durch die besagten Schafe und andere Weidetiere kurz gehalten. Die Gebäude die zum Fliegerhorst gehören, wurden so gebaut und gestaltet, als wären es Scheuen, Wirtschafts- und Wohngebäude aus der regionalen Landwirtschaft. Flugzeughangars wurden nicht errichtet. Die Flugzeuge wurden später am Waldrand unter Tarnnetzen abgestellt. Die dafür notwendigen Rollwege (genannt: Ringstrasse) wurden im Waldgebiet durch Bretterböden angelegt. Zum Luftschutz der Anlage wurden Flak Stellungen und Luftraum Beobachtungstürme errichtet. Diese fügten sich ebenfalls gut in das Landschaftsbild ein und wurden sorgfältig gegen Aufklärungen aus der Luft abgetarnt. Somit hatte es die feindliche Aufklärung sehr schwer einen Anlage dieser Art aus der Luft zu erkennen.

Mit der normalen Bewirtschaftung des Flugplatzes war es aber nicht möglich den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten! Der Betrieb einer solchen Anlage benötigte ständigen Nachschub an Lebensmittel und auch einen gleichbleibende Versorgung mit Flugbenzin und Flugzeug Ersatzteilen. Daher war es dringend notwendig, dass eine Bahnanbindung an den Einsatzhafen geschaffen wurde. Da es bereits einen feste Bahnverbindung in der näheren Umgebung gab, sollte ein Bahnanschluss vom von dem benachbarten Bahnhof Wilhelmsdorf bis zum Flugplatz gebaut werden. Dieses Bauvorhaben wurde aber nie vollständig umgesetzt. Es existiert noch heute ein Teil des alten Bahndamms, der für diese eingleisige Anlage vorgesehen war.

                           Horstgehöft des LW Einsatzhafen in Nidda ca. 1940 / Quelle: Internet

Um die Versorgung des Flugplatzes dennoch sicher zu stellen, wurden sogenannte "Culemeyer" Wagen mit Zugmaschinen eingesetzt. Dabei handelte es sich um Schwerlastwagen die einen kompletten Güterwagon vom Gleisbett übernehmen und diesen per Landweg an sein Ziel bringen konnten. Der Vorteil davon war, dass die enthaltene Ladung nicht erst umgeladen werden musste und die entleerten Wagons wieder ohne große Probleme auf das Schienennetz gebracht werden konnten. Es wird davon ausgegangen, dass im Flugplatzbereich Schienen verlegt waren, so dass die Wagons auch ohne Schwerlastwagen vor Ort bewegt und gelagert werden konnten.

 "Culemeyer" Transportwagen und Zugmaschine mit Eisenbahnwagon als Ladung / Quelle: Internet

Wie anfänglich erwähnt, war der Flugplatz in Merzhausen Teil des Führerhauptquartier (FHQ) "Adlerhorst", dass in den benachbarten Ort Langenhein- Ziegenberg sowie Kransberg, in deren Schlossanlage entstehen sollte. Adolf Hitler benötigte für seine bevorstehende Offensive gegen Frankreich ein in der Nähe gelegenes festes Hauptquartier. Es sollte sich in Reichweite der Frontlinie befinden die er jeder Zeit mit dem Flugzeug erreichen wollte, aber auch gleichzeitig geschützt vor angriffen der feindlichen Artillerie. Diese erreichten mit ihren Ferngeschützen Ziele in bis zu 250 km Entfernung. Da aber das FHQ "Adlerhorst" nicht rechtzeitig für die bevorstehende Offensive fertige wurde, wich man mit dem Führungsstab nach Rodert bei Bad Münstereifel aus. Dort befand sich ebenfalls ein Führerhauptquartier mit den Decknahmen "Felsennest"! Aus diesem Befehlsstand wurden dann, der Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich befehligt und die "Operation Seelöwe", die Invasion gegen England geführt!

Der Einsatzhafen in Merzhausen wurde zum Anfang des zweiten Weltkrieges nur wenig genutzt. In erster Linie flogen von dort Transport- und Kurierflugzeuge. So befanden sich Flugzeuge vom Typ Dornier Do-17, Heinkel He-111, sowie Transportmaschinen vom Typ Junkers Ju-52 auf dem Flugplatz. Für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes wurde eine Flughafenbetriebskompanie eingesetzt und vor Ort stationiert. Vom 10.06. - 11.07.1940 war die Kampfgruppe (KG) z.b.V. 9, ausgerüstet mit Junkers Ju-52 auf dem Flugplatz stationiert. Der Hintergrund dafür war, die geplante "Operation Seelöwe"! Am 12.08.1940 gegen 01:00 Uhr, gab es den ersten Fliegeralarm. Phosphorbrandsätze gingen nieder. Diese richteten aber keinen großen Schaden an. Ab Oktober 1940 wurde die neu aufgestellte Führerkurierstaffel auf dem Platz eingesetzt. Durch die schnellen Siege der eigenen Truppen in Frankreich wurde aber der Flugplatz zunehmend unwichtig!

Beobachtungsturm auf dem LW Einsatzhafen in Nidda
Quelle: Internet

In der Zeit von 1941 bis 1944 gab es nur wenig Flugbetrieb auf dem Platz! Daher wurde dieser mehr Landwirtschaftlich genutzt aber auch weiterhin jeder Zeit Einsatzbereit gehalten! Die Hitlerjugend (HJ) nutzen über den gesamten Zeitraum des Krieges, Teile des Platz mit einem Wehrertüchtigungslager. Im Rahmen der Reichsverteidigung gewann der Flugplatz zum Jahresbeginn 1944 wieder an Bedeutung. Um den vollständigen Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können, standen aber noch umfangreiche Umbauarbeiten an. Der Flugplatz musste zuerst den neuen Anforderungen der deutschen Luftwaffe und deren Flugzeugen angepasst werden. So wurde die Start- und Landebahn in westliche Richtung verlängert. Die alte Ringstraße wurde verlegt und das Gelände im gesamten vergrößert. Da die meisten deutschen Arbeiter als Soldaten im Krieg dienten, wurden für diese Arbeiten KZ- Häftlinge herangeschafft. So wurden aus dem SS Außenlagers Hinzert, dass sich im Hunsrück befand hauptsächlich politische Häftlinge aus Luxemburg nach Merzhausen gebracht. Unter schwersten Bedingungen und mit einfachsten Werkzeugen wurden die arbeiten durchgeführt. Nach dem der Platz umgebaut war, wurden Teile der HJ in den aktiven Wehrdienst eingezogen und als Flakhelfer für den Schutz der Anlage eingesetzt. Somit war der größte Teil der Flakhelfer, Soldaten im Alter zwischen 16 und 18 Jahren! Der erste richtigen große Luftkampf über dem Flugplatz gab es am 12.05.1944! Neben dem Abwurf von 27 Bomben sind auch zahlreiche abgeschossene Bomber im Usinger Land nieder gegangen. An diesen Abschüssen waren auch Piloten beteiligt, die auf dem Einsatzhafen in Merzhausen stationiert waren (Siehe Einsatz des II./JG 27 weiter unten)!  


LW Soldaten beim entladen von Material vor einem Gebäude des LW Einsatzhafen Merzhausen 1944 / Quelle: Internet

Soldaten bei der Feldarbeit vor dem Haupt- und Nebengebäude des LW Einsatzhafen in Zellhausen / Quelle: Internet




Einsatz d
er II. Gruppe des JG27 ab Mai 1944


Am 12.05.1944 traf in Wiesbaden Erbenheim der Verlegungsbefehl für die II. Gruppe des JG27 ein. Dieser Befehl sagt aus, dass die Gruppe mit sofortiger Wirkung auf den LW Einsatzhafen in Merzhausen verlegen soll. Am Morgen des 13.05.1944 traf dann die gesamte fliegende II. Gruppe im Merzhausen ein. Im laufe des Tages kamen dann auch die restliche Teile der Gruppe zum Flugplatz und richtete sich dort ein.
WICHTIG: Es scheint aber, als wären Teile der II. Gruppe bereits seit Anfang Mai 1944 auf dem Flugplatz in Merzhausen eingesetzt. Aus dem Flugbuch von Fritz Keller geht hervor, dass der Pilot bereits am 01.05.1944 seinen ersten Alarmstart vom LW Einsatzhafen in Merzhausen aus hatte. 
Doch am 20.05.1944 erfolgte die Verlegung der II. Gruppe des JG27 vom Metzhausen nach Unterschlauersbach. Der dort gelegene Flugplatz der 16 km südwestlich von Fürth lag, war ein LW Einsatzhafen der I. Ordnung! 

Die II. Gruppe wurde im Mai 1944 mit neuen Flugzeugen vom Typ Messerschmitt Bf109-G6 aufgerüstet (ca. 40 Flugzeuge) und bekam auch neue Piloten zugeteilt! So sollten die Verluste der letzten Wochen wenigsten zum Teil wieder aufgefüllt werden. Doch auch beim der II./JG27 machte sich das fehlen der erfahrenen Piloten bemerkbar. Seit dem April 1944 stand das II./JG27 gemeinsam mit anderen Geschwadern wie zum Beispiel dem II./JG53 das sich in unmittelbarer Nähe zu Merzhausen auf dem Flugplatz in Eschborn befand, im gemeinsamen Abwehrkampf gegen die einfliegenden Bomber der USAAF. Diese hatten ab Mai 1944 das Ziel, mit ihren Angriffen gegen die deutsche Treibstoffindustrie die deutschen Armee erheblich zu schwächen und damit die bevorstehenden Landung der Alliierten Streitkräfte vorzubereiten.


Logo des Jagdgeschwader 27


Die nachfolgenden Abbildungen zeigen Piloten und Flugzeuge der II./JG27 bei ihren Einsatz vom Flugplatz in Merzhausen aus.



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Diese abstürzende B-17 wurde vermutlich von Leutnant Heinz Schlechter am 12.05.1944 gerammt und ging in unmittelbarer nähre des Flugplatz Merzhausen nieder. Teile der Besatzung der B-17 konnten rechtzeitig aussteigen und wurden nach dem sie am Boden angekommen waren durch Bodenpersonal der II./JG27 gefangen genommen.



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Angriff der 8. amerikanischen Luftflotte am 12.05.1944

 

Nach dem Bombenauftakt der alliierten Streitkräfte, der sogenannten "Big Week" (20. - 25.02.1944) die ausgerichtet war, die deutschen Luftrüstungs- und Kriegsindustrie zu schwächen oder zu zerschlagen, folgte nun ein fast pausenloser Angriff durch amerikanische Bomber bei Tag und englische Bomber bei Nacht. Die deutsche Luftwaffe sollte keine Möglichkeit bekommen, sich von diesen Schlägen zu erholen und die Lufthoheit über dem Reichsgebiet wieder zurück zu gewinnen. Im nächsten Schritt soll nun die die deutsche Treibstoffindustrie zerschlagen werden. Durch pausenlose Angriffe sollte so die Produktion an Kraftstoff zum erliegen kommen. Was nützt ein Flugzeug mit Pilot, wenn kein Sprit zur Verfügung steht. Mit diesen Ansatz kämpften die alliierten Streitkräfte ab Mai 1944.

Der geplante Einsatz am 21.04.1944 musste wegen schlechter Wetterbedingungen wieder abgebrochen werden. So begann die Offensive zur Zerschlagung der deutschen Treibstoffindustrie am 12.05.1944! Bombenziele an diesem Tag waren:

- G. Basser KG und Werksflugplatz, Zwickau
- Sudetendeutsche Treibstoffwerke, Brüx
- IG- Farbindustrie AG (Leuna), Merseburg
- Wintershall AG, Lützkendorf
- Braunkohle- Benzin AG, Böhlen
- Braunkohle- Benzin AG, Zeitz
- Wanderer Werke AG, Chemnitz (Zweitziel)
- Bahnanlagen Gera, Merseburg (Gelegenheitsziele)

Dieser Einsatz (Nr. 353) wurde durch die 1., 2. und 3. Bombardment Division der 8. US- Luftflotte geflogen. Damit starteten 935* viermotorige Kampfflugzeuge vom Typ B-17 "Flying Fortress" sowie B-24 "Liberator" sowie zahlreiche Jäger vom Typ P-51 "Mustang" und P-47 "Thunderbolt" der 8. US- Luftflotte zum Einsatz gegen 470 Jäger und Zerstörer der deutschen Reichsverteidigung. Trotz der harten und verlustreichen Luftkämpfe über dem Rhein-Main-Gebiet, können viele der Bomber ihre Ziele erreichen. Es entsteht große Schaden an den Industrieanlagen. Der Produktionsverlust kann "noch" ausgeglichen werden, da zu diesem Zeitpunkt eine Reserve von ca. drei Monatsproduktionen zur Verfügung steht. Bei diesem Einsatz werden 46 Bomber sowie 12 Jagdflugzeuge der US- Streitkräfte abgeschossen! Auf deutscher Seite sind 28 Piloten gefallen und weitere 26 Piloten verwundet.


* Leider existieren unterschiedliche Zahlen bei der Gesamtzahl der geflogenen Flugzeugen am 12.05.1944. In einer anderen Veröffentlichung habe ich die Anzahl von 886 viermotorigen Kampfflugzeugen der 8th US Army Air Force (USAAF) sowie 980 Jagdflugzeuge vom Typ P-38 "Lightning", P-47 "Thunderboldt" und P-51 "Mustang" der 8th und 9th USAAF gefunden! Dem entgegen stand die Anzahl von 419 deutschen Flugzeugen. Leider enthält der Bericht keine finalen Zahlen über die Verluste auf beiden Seiten. Die von mir aufgeführten Zahlen, stammen alles aus einem Buch von Herrn Werner Girbig! Genaueres wird von mir im Quellnachweis aufgeführt, den Sie unten selbst nachlesen können.




In dieser Abbildung können Sie den Anflugweg der 8. Luftflotte sehen. Schwerpunkt der Abwehrluftkämpfe war das Rhein-Main-Gebiet.


Für den Luftwaffen Einsatzhafen in Merzhausen war der 12.05.1944 ein Tag wie jeder andere auch. Der einzige Unterschied war der, dass einige der Luftkämpfe & Abschüsse sich direkt über den Flugplatz abspielten (siehe Bilder vom Absturz der B-17) oder in seiner unmittelbaren Nähe (Wehrheim, Usingen). Im allgemeinen war der hessische Luftraum ein einziges Schlachtfeld. Die Jagdgeschwader der Reichsverteidigung wurde durch die Jägerleitstellen an die Bomberpulks geführt. Diese versuchten dann meist mit Frontalangriffen, die Bomber abzuschießen. In den meisten Fällen war der amerikanische Jagdschutz zur Stelle und drängte die deutschen Jagdflugzeuge ab. Zu ersten Kampfhandlungen über dem Rhein-Main-Gebiet kommt es an diesen Tag so gegen 11:30Uhr. Später dann am Nachmittag, gegen 14:30Uhr als die Bomber in Richtung Heimatbasis fliegen, kommt es zu erneuten zu harten Luftkämpfen im Großraum Giessen.




In dieser Abbildung sehen Sie die Flugrichtung der Bomber sowie die Abschüsse auf beiden Seiten.

 

 

Einsatz der I. und II. Gruppe des JG300 ab Juli 1944 


Vom 07. bis zum 12.06.1944 war die I. Gruppe des JG300 unter der Führung von Hauptmann Gerhard Stamp auf dem Flugplatz in Merzhausen. Die Gruppe war zu dieser Zeit mit Flugzeugen vom Typ Messerschmitt Bf109 "Gustav" ausgerüstet. 

Vom 12. bis zum 15.06.1944 war dann die II. Gruppe des JG300 auf dem Einsatzhafen stationiert. Diese Gruppe war mit Flugzeugen vom Typ Focke Wulf Fw190 ausgerüstet. Die eigentliche Aufgabe des Geschwader war es, im "wilde Sau" Verfahren die in der Nacht einfliegenden feindlichen Bomberverbände anzugreifen und zu vernichten. Die Flugzeuge waren dabei, bis auf geringe Änderung an der Abgasanlage (Flammenvernichter), normale Jagdflugzeuge der deutschen Luftwaffe. Durch die zunehmenden Angriffe der alliierten bei Tag wurde dann das JG300 und das JG301 wieder in der Tagjagd eingesetzt. So wurde das Geschwader zu gefürchteten Gegnern der amerikanischen und englischen Bomberbesatzungen, bei Tag und bei Nacht!

Der große Unterschied zwischen den beiden Nachtjagdverfahren (wilde- oder zahme Sau) bestand darin, dass bei der "wilden Sau", die Flugzeuge nicht durch ein eingebautes Radar oder anderes Ortungssystem die Bomberverbände finden konnten! Sie wurden durch die Bodenkontrolle in den Luftraum geführt, in dem sich die feindlichen Flugzeuge bewegten. Ihr eigentlicher Anflug erfolgte dann durch Sichtkontakt oder durch das Anleuchtung der feindlichen Flugzeuge mit Hilfe der Flakscheinwerfer! Eine weitere Möglichkeit die Bomber in der Nacht anzugreifen ergab sich durch das Licht der brennenden Städte! Dabei waren die deutschen Flugzeuge in einer überhöhten Position zum Gegner! So konnten sie die unter ihnen fliegenden Flugzeuge an ihren Schatten auf der Wolkendeck erkennen und dann angreifen.

Logo des JG300 "Wilde Sau"

 

 

Einsatz der I. Gruppe des JG2 ab Oktober 1944 

 

Am 04.09.1944 verlegte das gesamte JG2 "Richthofen" nach Wiesebaden- Erbenheim. Von dort aus geht es dann für die einzelnen Gruppen weiter auf ihre zukünftigen Einsatzhäfen rund um das Rein- Main Gebiet. Ab Mitte September 1944 liegt der Gruppenstab und die I. Gruppe unter der Führung von Hauptmann Hrdlicka in Merzhausen. Doch im Oktober 1944 wird der Stab des JG2 nach Nidda verlegt, so dass jetzt nur noch die I. Gruppe des JG2 sich auf dem Einsatzhafen in Merzhausen befindet. Von diesem Zeitpunkt an, beginnt auch der Untergang der I. Gruppe des JG2 sowie auch der Untergang des Jagdgeschwader, wie auch der gesamten deutschen Luftwaffe! 

Bis Februar 1945 büßt die deutsche Luftwaffe im Reichsgebiet fast 80% ihrer erfahrenen Flugzeugführer und Flugzeuge ein. Zwar konnte die Verlust der Jagdflugzeuge wieder aufgeholt und die Produktionszahlen gesteigert werden, aber der Verlust an Piloten konnte nie wieder gut gemacht werden. Das Verhältnis der deutschen Jagdflieger zu ihren Gegnern war zu dieser Zeit 15:1. Auf einen deutschen Jagdflieger kamen 15 Gegner!!! Im Zeitraum vom Oktober bis Dezember 1944 nahm die I. Gruppe immer wieder ihren Platz in der Reichsverteidigung ein und kämpfte gegen die einfliegenden amerikanischen Bomberverbände zusammen mit den anderen Jagdgeschwadern!

Logo des JG2 "Richthofen"


LW Einsatzhafen Merzhausen Oktober 1944 / Quelle Bild: Horst Jeckel
Blickwinkel des Fotografen ist Richtung West. Der Ort Merzhausen liegt am linken oberen Bildrand.
Auf dem Bild ist die I. Gruppe des JG2 "Richthofen" zu sehen, die sich auf den Start vorbereitet. Die Flugzeuge rollen in Startaufstellung.
Die Soldaten (schwarzen Männer) im Vordergrund sind die 1. Warte der Flugzeugführer, die bei den Startvorbereitungen geholfen haben.


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Angriff der 8. amerikanischen Luftflotte am 24.12.1944

Die Luftwaffe war ab August 1944 noch zu 2/3 Einsatzbereit. Die Angriffe der "fliegenden Festungen" Arten in der Luft zu einer großen Materialschlacht aus. Die Kampfmoral der deutschen Jagdflieger und das Vertrauen zu dem eigenem Verbandsführer war noch vorhanden. Doch bereits Ende September 1944 war die Moral der Truppe fast am Boden. Die meisten Luftwaffeneinheiten hatten alle erfahrenen Piloten im Luftkampf gegen die Bomber und dessen Begleitjäger verloren! Nicht selten war das Verhältnis am Himmel 10:1! Aber noch immer kämpft die deutsche Luftwaffe verbissen gegen die alliierten Einflüge im Reichsgebiet! Doch viele der neuen jungen Piloten sind schlecht Ausgebildet und unerfahren. Ihr erster Einsatz ist meist auch ihr letzter. Wer zu dieser Zeit drei Einsätze überlebt konnte sich schon zu den "alten Hasen" zählen. Im Januar 1945 brach dann endgültig der Durchhaltewillen der deutschen Luftwaffe.

Der größte Luftangriff der alliierten Streitkräfte wurde am Sonntag, 24.12.1944 geflogen. Dieser Tag war auch gleichzeitig ein schwarzer Tag für das Dorf Merzhausen und den in der nähe liegenden Luftwaffen Einsatzhafen! An diesen Tag sollte die 8. amerikanische Luftflotte, die Rundstedt-Offensive endgültig zum stehen bekommen und gleichzeitig wichtige Verkehrs- und Bahnknotenpunkte im Reichsgebiet bekämpfen. Da das Wetter in den letzten Tagen schlecht war, hoffte man nun bei einem fast blauen Himmel dieses Ziel nun endlich zu erreichen. Aber man machte sicht auch auf deutschen Widerstand gefasst. So brachte die 8. Luftflotte insgesamt 2034!!! schwere Kampflugzeuge in die Luft um diesen Plan umzusetzen. Davon griffen ca. 1400 Bomber und ca. 700 alliierte Jagdflugzeuge die als Schutz für Bomber eingesetzt wurden, elf Flugplätze der deutschen Luftwaffe im Raum Gießen - Frankfurt am Main - Darmstadt an! Es war der größte alliierte Lufteinsatz, der je im II. Weltkrieg geflogen wurden ist. 




Als die ersten fliegenden Festungen (B-17 "Flying Fortress") über Deutschland erscheinen, verlassen die letzten viermotorigen Bomber gerade die britische Insel. Es ist eine riesige Armada die von Brigadegeneral Frederic Castle persönlich angeführt wird. Er befindet sich mit seiner B-17 in der Spitzengruppe. Da der amerikanische Jagdschutz noch nicht bis zur Spitzengruppe aufgeschlossen hat, schafft es die IV./JG3 im ersten Frontalangriff vier B-17 zum Absturz zu bringen und weitere fünf so schwer zu treffen, dass sie Notlanden müssen. In einer der abgeschossenen B-17 befand sich auch Brigadegeneral Castle! Er fällt an diesem Tag und damit verliert die 8. amerikanische Luftflotte einen ihrer fähigsten Kommandeure. Wenige Zeit später ist der amerikanische Jagdschutz zu Stelle und drängt die angreifenden deutschen Jagdflieger ab!

Der Bomberverband fliegt weiter und kommt unterhalb Aachens in das Reichsgebiet. Wenig Zeit später ist der zweite Kampfverband der 8. Luftflotte über seinem Ziel. Es sind vorwiegend Flugplätze des "Richthofen" Geschwaders die unter der Führung des Oberstleutnant Bühligen in: Ettingshausen, Gießen, Merzhausen, Nidda und Kirch-Göns liegen. In wenigen Augeblicken ist die Hölle über diese Flugplätze ausgebrochen. Der Luftwaffen Einsatzhafen in Merzhausen wird mit ca. 850 Bomben (über 600t Sprengstoff) getroffen! Dabei werden großen Teile der Anlage fast vollständig zerstört. Nicht ein einziges Flugzeug schafft es im Alarmstart den Platz zu verlassen! Piloten und Flugplatzpersonal versuchen noch die restlichen Flugzeuge weiter in den Wald zu bringen, aber ohne Erfolg. Die Bomben zerstören oder beschädigen fast 70% der Flugzeuge und Gebäude am Flugplatz. Es werden fünf Soldaten getötet und mindestens 11 Soldaten verwundet. Eine zweite Welle des amerikanische Angriffs trifft dann, mit über 30 Bomben das nahe gelegene Dorf Merzhausen. Eine große Anzahl (ca. 40 - 60 Bomben) geht auf den Felder im Umkreis nieder. Viele Häuser werden zerstört oder gehen in Flammen auf. Wie durch ein Wunder wird kein Bewohner des Dorfes getötet. Lediglich Haustiere wie: Pferde, Kühe und Schweine werden Opfer des Bombenangriffs. Vier der Bomben sind sogar Blindgänger. Zwei Bewohner wurde verschüttet. Diese konnten aber, nach ein paar Stunden mit leichten Verletzungen geborgen werden. Als die Nacht einbricht, stehen noch immer Teile des Dorfes in Flammen. 

Hier die Abschrift eines Briefes den Eltern aus Merzhausen an ihren Sohn geschrieben haben: >>Hier klicken<<

Adolf Hitler der sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Führerhauptquartier "Adlerhorst" aufhält bekommt, nach dem das Ausmaß des alliierten Angiffs klar ist einen Wutanfall und beschimpft den Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Herrmann Göring sowie die gesamte deutsche Luftwaffe als "Feiglinge" und "Verräter am deutschen Volk"! Er will die in der Verantwortung stehenden Personen noch an Ort und Stelle hinrichten lassen, wozu es aber nie kommt.

Dieser Tag endet mit der Bilanz, dass 85 deutsche Piloten gefallen, vermisst oder gefangen genommen wurden! Weitere 21 Piloten wurden bei dem Einsatz verwundet. Von diesen 106 Piloten waren zwei Gruppenkommandeure und fünf Staffelkapitäne! Weiter wurde der Kommodore des JG77 (Major, Johannes Wiese) verwundet! Mit diesen Zahlen steht auch fest, dass mehr als 12% des gesamten eingesetzten fliegenden Personal an diesem Tag ausgefallen oder umgekommen sind. Dem entgegen stehen 44 von 2034 viermotorige Bomber die von deutschen Piloten abgeschossen wurden! Der Anteil an zivilen Opfern wird wohl für immer eine Dunkelziffer bleiben. 

Der Flugplatz in Merzhausen wird erst am 31.12.1944 wieder halbwegs Einsatzbereit. Am 01.01.1945 startet das Jagdgeschwader 2 "Richthofen" wie auch anderen Geschwader aus der Reichsverteidigung zum Unternehmen "Bodenplatte"! Diese militärische Operation wird in die Geschichte als "Der Untergang der deutschen Luftwaffe" eingehen! 




Der LW Einsatzhafen "Schafweide" in Merzhausen Anfang 1950 / Quelle: Internet/Erdfunkstelle
Noch immer sind die zahlreichen Bombentrichter sowie die zerstörten LW Gebäude zu erkennen!

Bitte gehen Sie auf den nachfolgenden Link, wenn Sie die oben gezeigte Abbildung in einer größeren Ansicht sehen möchten 

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Abbildung und Quellnachweis

Allgemeine Angaben zum Flugplatz:

Quelle: Motorbuch Verlag Stuttgart 
Buchname: Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe
ISBN- Nr.: 3613014866 / Seite 48
Neben dem Standort Merzhausen der die Höhenangabe 382m hat steht eine Funkmessgerätestellung der 2. Ordnung mit dem Deckname: NACHTIGALL 
Im Buch wird der Flugplatz Merzhausen so erwähnt: 

Merzhausen/Hessen, 4km Westlich Usingen, 27km Nord Nordwestlich Frankfurt/Main, Einsatzhafen mit Grasnarbe; Leithorst Wiesbaden (502000 N - 082840 O)


Nutzung des Einsatzhafen durch die II. Gruppe des Jagdgeschwader 27:


Quelle: Struve Verlag: Messerschmitt Bf109 im Einsatz bei der II./ Jagdgeschwader 27 / ISBN-Nr.: 3923457421 
Siehe Text im Buch ab Seite 380 bis 388! Der Bildernachweis ab Seite 426 bis 429
ACHTUNG: Die Bilder sind Eigentum von Herrn Ring, Herrn Schlechter und Herrn Keller!  


Nutzung des Einsatzhafen im Rahmen der Reichsverteidigung durch das JG2 "Richthofen":

Quelle: Motorbuch Verlag Stuttgart
Buchname: Das Jagdgeschwader 2 "Richthofen" 
ISBN- Nr.: 3613019353 / Seite 239 ff.

4. September 1944
(...) In Erbenheim angekommen, verleget das JG2 auf die Feldflugplätze bei Nidda, Usingen-Merzhausen und Altenstadt, die nun für einige Zeit die Standorte für die einzelenen Gruppen bleiben (...)
September 1944
Der Gruppenstab des JG2 sowie die I. Gruppe, Hauptmann Hrdlicka, fliegen ihre Einsätze von einem Feldflugplatz bei Merzhausen aus. die II. Gruppe, Hauptmann Schröder, liegt nun in Eschborn bei Frankfurt.
Oktober 1944
Das JG2 operiert nun im II: Jagdkorps in der Reichsluftverteidigung West, Stab und II. Gruppe in Nidda, I. Gruppe in Merzhausen. Die III. Gruppe, Hauptmann Lemke, liegt zu diesem Zeitpunkt in Königsberg- Neumark.
November 1944
Stab und II: Gruppe in Nidda, die I. Gruppe in Merzhausen und die III. Gruppe liegt nun in Altenstadt.

Bildnachweis/Quelle: Das Bild über den Einsatz des JG2 "Richthofen" vom Oktober 1944 stammt von Herrn Horst Jeckel! Ich möchte mich auf diesem Weg für die Überlassung / Nutzung bedanken!

 

Informationen zum Flugplatz und zum Angriff am 24.12.1944 auf Merzhausen und die Auswirkungen:

Buchname: Merzhausen im Taunus 1293 - 1993
Verlag: Dorfgemeinschaft Merzhausen 1993
ISBN- Nr.: keine ISBN Nr. vorhanden / ab Seite 128 bis Seite 155

(...) Es sind die Informationen von Herrn Walter Moses der sich neben eigenen Erinnerungen auf folgende Zeitzeugen beruft: Albert Fritz, Rudolf Bock, Herbert Hübner, Johann Czech, Emmi Emmel (...)

 

Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte auf die deutsche Treibstoffindustrie ab Mai 1944:

Quelle: Motorbuch Verlag Stuttgart 
Buchname: ...mit Kurs auf Leuna - Die Luftoffensive gegen die Treibstoffindustrie und der deutsche Abwehreinsatz 1944 - 1945 
ISBN- Nr.: 3879437254 / ab Seite 13 bis Seite 32

 

Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte September 1944 bis Mai 1945:

Quelle: Motorbuch Verlag Stuttgart 
Buchname: Start im Morgengrauen - Eine Chronik vom Untergang der deutschen Jagdwaffe im Westen 1944 - 1945 
ISBN- Nr.: 3879432791 / Seite 101 ff.

 

Umbau des Luftwaffen Einsatzhafen 1944 durch KZ Häftlinge aus dem Sonderlager Hinzert (Hunsrück): 

Quelle: Der Ort des Terrors - Geschichte der Nationalsozialistischen Konzentrationslager - Band 5
ISBN- Nr.: 3406529658 / ab Seite 61 bis Seite 63

sowie in einem dreiteiligen Vortag über das Thema: Der Taunus im II. Weltkrieg  
dokumentiert und vorgetragen von Herrn Bernd Vorläufer- Germer, Geschäftsführer "Arbeit und Leben (DGB/VHS) Hochtaunus"



Zum vergrößern der Bilder einfach auf die Abbildung klicken

 



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