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Nach dem Ende des I. WK wurden am 08.05.1920 die
militärischen deutschen Fliegereinheiten aufgelöst und durch den Friedensvertrag
von Versailles verboten. Damit Deutschland keine neue Luftwaffe aufbauen
konnte, erließen die Siegermächte am 14.04.1922 die Bestimmung für die Entwicklung neuer Flugzeuge.
Dabei wurde festgelegt, dass die Höchstgeschwindigkeit neuer Konstruktionen auf 170 km/h
begrenzt wird. Die Reichweite wurde auf max. 300 km festgelegt und
die Flugzeit von 02:30 Std. durfte nicht überschritten werden. Die Gipfelhöhe
durfte 4.000 m nicht überschreiten und die Nutzlast nicht mehr als 600 kg
betragen. Deutschland konnte somit keinerlei Luftrüstung betreiben. Erst
am 21.05.1926 wurden diese Baubeschränkungen mit den Pariser Luftfahrtabkommen
außer Kraft gesetzt. Jetzt konnte Deutschland wieder damit beginnen Flugzeuge
zu entwickeln und ohne allzu enge Beschränkung auch zivil zu fliegen.
Im Jahr 1924 wurde unter heimlicher Hilfe der Reichswehr die "Sportflug GmbH"
gegründet, die ihren Hauptsitz in Stettin hatte. Die Gesellschaft diente der
Ausbildung ziviler Flugzeugführer. In den zehn Fliegerschulen die im
Reichsgebiet existierten, sollten sowohl Nachwuchsflieger als auch gestandene
Militärpiloten einen standardisierten Auffrischung- und Übungsprogramm
absolvieren. Die alliierten Siegermächte von 1918 gaben aber auch da ganz klare
Regeln vor, so dass jährlich höchstens sechs Angehörige der Reichswehr
flugsportlich weitergebildet werden durften. Aber auch da gelang es den
Deutschen das Verbot weitestgehend zu umgehen. Sie schickten alle, die von der
Reichswehr als Offizieranwärter angenommen wurden und für eine fliegerische
Ausbildung in Betracht kamen, noch vor Ihren Eintritt ins Heer als Zivilisten
zum Erwerb des Flugzeugführerschein auf die Fliegerschulen der Sportflug GmbH!
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Im Jahr 1927 wurde die "Sportflug GmbH" in
die Deutsche Verkehrsfliegerschule (D.V.S.) umgewandelt (Bild oben). Die neue Direktion
wurde in Schleißheim eingerichtet. Zu den ersten "zivilen"
Lehrgangsteilnehmern zählten unter anderen die späteren Jagdflieger: Günther Lützow,
Wolfgang Falck und Hannes Trautloft. Sie waren Mitglieder der Kameradschaft 31 kurz K 31, wie
Ihre Lehrgang in Schleißheim genannt wurde. Die Zahl 31 stand dabei für das Jahr in dem die
Ausbildung zum Jagdflieger begonnen hatte. Diese Piloten werden im II. WK hoch dekorierte Soldaten (Ritterkreuz des Eisernen Kreuz, Spanienkreuz,
Eisernes Kreuz I. und II. Klasse), Kommandeure von Jagdflieger Einheiten (JG3,
JG54, NJG1) und erfahrene Spezialisten Ihrer Waffengattung. Der damaliger Direktor
aller Schulen des D.V.S. war kein geringerer als der Rittmeister a.D. Karl Bolle (Bild links),
der mit 36 Luftsiegen aus dem I. WK und der letzte Kapitän der Jagdstaffel "Boelcke"
sowie Träger des Orden Pour le Mérite war. Aber auch die Lehrgangsleiter und
Fluglehrer waren Piloten die entweder im 1. WK gedient, oder sich einen guten
Namen durch Ihr fliegerisches können gemacht hatten. Sie hießen Albert
Vierling, der als Oberleutnant a.D. im I. WK bei der Fliegertruppe seinen Dienst
versehen hatte und jetzt mit der Leitung der in Schleißheim befindlichen D.V.S.
beauftragt war. Otto Fruhner der mit 28 Siegen aus Luftkämpfen im I. WK
jetzt als Fluglehrer in Schleißheim unterrichtete und noch viele mehr. Den
Lehrgangsteilnehmern wurden so von erfahrenen Einsatz Piloten das wichtigste Grundwissen
im bezug auf Ihr zukünftiges Jagdfliegerleben vermittelt. Damit war aber die
Ausbildung noch nicht abgeschlossen.
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Die besten Schüler wurden nach erfolgreichen Abschluss an den D.V.S. Schulen
weiter zur "Sonderausbildung" nach Lipezk am Woronesch, im Süden
Russlands geschickt. Dieses Ausbildungszentrum für deutsche Jagdflieger
existierte offiziell gar nicht, da Deutschland nach den Willen der Sieger von
1918 keine militärischen Jagdflieger ausbilden und keine Luftwaffe unterhalten
durfte. Es wurde möglich, als am 06.05.1921 Deutschland mit Russland das
Handelsabkommen abgeschlossenen hatte. Am 16.04.1922 folgte der Vertrag von
Rapallo. Durch das nun geschlossene Geheimabkommen zwischen den beiden Ländern,
bestand die Möglichkeit militärische Waffen und Geräte in Russland zu
erproben und zu testen. Den Russen wurde im Gegenzug erlaubt, bei jeden Test
dabei sein und die Waffen und Geräte auch zu begutachten. Die dabei gewonnenen
Erkenntnisse durften Sie für ihre eigene Aufrüstung und Forschung nutzen. Am
15.04.1925, nach weiteren geheimen Verhandlungen wurde den Deutschen gestattet
einen Fliegerhorst zu errichten, wo sie ihre Jagdflieger ausbilden konnten.
Dieses Ausbildungszentrum wurde dann in Lipezk eingerichtet. Bald trafen auch
die ersten Lehrgangsteilnehmer ein um Ihre Ausbildung zu vollenden. Sie wurden
von Deutschland aus als "zivile" Ingenieure oder Techniker getarnt auf
die Reise geschickt, um die wahre Identität des Ausbildungszentrums geheim zu halten.
Auch in dieser Fliegerschule wurden wieder auf erfahrene Piloten des I. WK
zurückgegriffen, die in ihrer neuen Funktionen als Ausbildungsleiter, Waffen- und
Fluglehrer den neuen deutschen Jagdfliegern den "letzten Schliff" verpassten.
Der Stab der die militärischen Aktivitäten der Reichswehr in Russland steuerte,
hatte seinen Sitz in Moskau. Zur besseren Tarnung des Stabs, der offiziell den
Namen "Zentrale Moskau" trug, wurde der Begriff
"Wirtschaftskontor Z" eingeführt.
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Eins der Ausbildungsflugzeuge die in Lipezk geflogen
wurde, war der Eineinhalbdecker Fokker D-XIII (Bild rechts). Dieses Jagdflugzeug mit seinen
kurzen Unterflügeln und seinen englischen Napier- Lion XI V-12 Motor ist, auf
sehr Abenteuerliche Weg nach Russland gekommen. Offiziell hatte die Maschinen
ein südamerikanischer Staat in Holland bestellt, wo sie für den Versand per
Schiff zerlegt und in Kisten verpackt wurden. Da der Kapitän offensichtlich
nicht richtig Navigieren konnte oder Probleme mir der Bestimmung der
Himmelsrichtungen hatte, kam er mit seinen Frachter nicht in Südamerika sondern im Hafen
von Leningrad an.
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Dort wusste niemand, was man mit den großen Kisten anfangen
sollte die er geladen hatte und weil sie nur im Weg herumstanden, hievte man
sie auf einen Güterzug der zufällig nach Lipezk abfuhr. Dort angekommen wurden
die Flugzeuge ausgepackt und montiert und mussten schließlich nur noch von
einem Piloten geflogen werden....
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Um die Geheimhaltung
des Ausbildungszentrums sicher zu stellen, durften keine Informationen oder Auskunft über
den momentanen Aufenthaltsort oder über die Ausbildung zum Jagdflieger gegeben werden.
So wurden zum Beispiel die Briefe nicht direkt an die Familie oder die Freunde
gesendet, sondern über eine Scheinadresse in Berlin
weiter an den Empfänger geleitet, um so die Herkunft des Briefes zu
verschleiern. Ebenso wurde der Umgang vor Ort mit der zivilen Bevölkerung aus dem
näheren Umfeld untersagt. Man wusste, dass der russische Geheimdienst (G.P.U.)
immer wieder versucht, mit Hilfe der Zivilisten an weitere Informationen von
militärischen oder geheimen Projekten zu gelangen. Leider bekamen aber auch die Flugschüler im Ausbildungszentrum
nur wenig davon mit, was sich alles in Deutschland zu diesem Zeitpunkt veränderte.
Fünf Mitglieder der K 31 die sich am 24.04.1932 im D- Zug auf den Weg nach
Lipezk befanden, bekamen wenigstens noch das Ergebnis zu den Wahlen des preußischen
Landtags
mit. Die NSDAP konnte ihre bisherigen neun Mandate auf 162 verbessern und
wurde so fast genauso stark wie die SPD und die anderen Parteien die es zusammen
auf 163 Mandate von den insgesamt 423 Sitzen des Parlaments brachten.
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Am 30.01.1933 melden die Zeitungen und der
Rundfunk: "Der Herr Reichspräsident hat nach den Rücktritt der alten
Regierung Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt..." Damit
beginnt die Zeit der Nationalsozialisten! Am 27.04.1933 wird Hermann Göring zum
Reichsminister der Luftfahrt. Noch im selben Jahr bewilligt das neu
gebildete Kabinett eine Etat von 40 Millionen Reichsmark aus der leeren Staatskasse
für den Aufbau der Luftwaffe. Auf Bedenken des Finanzministers über die Höhe
des Etat kontert Hitler nur: "Das Fliegeroffizierkorps soll Elitekorps
mit stürmischem Angriffsgeist werden...." Um die Luftwaffe vollkommen
neu aufbauen zu können, erteilte Hitler aus dem neuen Haushaltjahr 1934 an Göring einen Etat
von ca. 1,1 Milliarden Reichsmark. Damit war die finanzielle Grundlage für die
neue deutsche Luftwaffe geschaffen.
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Um aber nicht direkt mit den bestehenden
Bestimmungen zum Versailler Friedensvertrag in Konflikt zu geraten, und um den
Eindruck der neuen Nationalsozialistischen Friedensmacht zu erhalten, gründete
Göring am 25.03.1933 den Deutsche Luftsportverband kurz DLV genannt. Der
Hintergedanke dabei war, alle zivilen und paramilitärischen Verbände, Vereine
oder Institutionen damit zusammen zu fassen, aus denen sich Luftstreitkräfte
entwickeln lassen. Bruno Loerzer (Bild links), wie Hermann Göring einst ein berühmter
Jagdflieger und Geschwaderkommandeur, wird der neue Führer des DLV. Die beiden
Pour le Mérite träger schafften es mühelos die alte versprengte Fliegerelite
des I. WK wieder im DLV, der Tarnorganisation der neuen deutschen Luftwaffe
zusammen zu fassen. Erhard Milch, zuletzt Direktor bei der Lufthansa, wird
Staatssekretär bei H. Göring im Reichsluftfahrtministerium. Karl Bodenschatz der mit
Göring zusammen im Richthofen Geschwader geflogen ist, wird neuer
Verbindungsmann zur Reichskanzlei und Friedrich Christiansen wird zum neuen
Inspekteur der Fliegerschulen ernannt. Der letzte der alten Jagdflieger (nach
Manfred von Richthofen der zweit erfolgreichste Jagdflieger des I. WK) Ernst Udet,
kommt im Jahr 1936 als Chef des Technischen Amtes zur Luftwaffe hinzu.
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Alle
weiteren Stabsoffiziere werden von H. Göring aus dem Heer abgeworben. So wird
zum Beispiel der Oberst Albert Kesselring mit dem Ausbau der Bodenorganisation
beauftragt. Durch Erlass Hitlers vom 26.02.1935 wurde die
"Reichsluftwaffe" mit Wirkung zum 01.03.1935, eine selbstständiger
Truppenverband neben dem Reichsheer und der Reichsmarine. Allerdings setzte
sich der von Hitler gewählte Begriff "Reichsluftwaffe" nicht durch
und es blieb bei der offiziellen Bezeichnung "Luftwaffe"! Mit einem
Aufstellungsstand von 20 Land- und Seefliegerstaffeln, 20 Land- und
Seefliegerschulen, der Behelfskampfstaffel der Deutschen Lufthansa und der
Flugbereitschaft des Reichsluftfahrtministerium (RLM), trat die Fliegertruppe
im März 1935 an die Öffentlichkeit.
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Am 08.03.1935 trifft der Reichsminister für Luftfahrt (rechtes Bild) mit anderen Persönlichkeiten der Luftwaffe in
Schleißheim ein, um die Ausbildung zu inspizieren. Unsere jungen Piloten
Hannes Trautloft, Wolfgang Falk, Günther Lützow und Günther Radusch von der
K31 sind mittlerweile als Jagdlehrer in Schleißheim tätig. Sie kennen Hermann
Göring bereits von Ihrer Grundausbildung 1931/1932 in Schleißheim. Diesmal
jedoch ist der Auftritt von Hermann Göring anders. Er eröffnet den
Angetretenen in einer großen und mitreißenden Rede, dass es ab den 09.03.1935
wieder eine Deutsche Luftwaffe gibt und die bis dahin als Kettenführer
tätigen Mitglieder des DLV wieder Leutnant seien werden. Am 14.03.1935 erhält das in Döberitz- Damm stationierte
Jagdgeschwader 132 den Traditionsnamen "Jagdgeschwader Richthofen Nr.
2"! Im weiteren Verlauf dann am 03.04.1935 werden an die Kampffliegertruppe I./154 in
Faßberg den Traditionsname "Geschwader Boelcke", die aus dem
"Jagdgeschwader Richthofen Nr. 2" hervorgegangene
Sturzkampffliegertruppe I./162 in Schwerin den Traditionsname "Geschwader
Immelmann" verliehen. Am 20.04.1935 folgte dann noch das Jagdgeschwader
134 das dann den Traditionsnamen "Horst Wessel" führen darf.
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Nach
den ersten Demonstrationsflügen der Luftwaffe für den neuen Machtinhaber
während des Jahres 1935, durch die Teilnahme am "Reichsparteitag in
Nürnberg" und am "Erntedankfest" auf dem Bückeberg, wurde die
Luftwaffe von 1936 an zu allen Aktionen der politischen Führung des Dritten
Reiches eingesetzt. Auf dem "Erntedankfest" 1935 in Bückeburg wurde
von Hitler erstmalig öffentlich die Aufgabe der Luftwaffe durch seine
nachfolgenden Worte umrissen: ...Die deutschen Städte und die schönen
Dörfer, sie sind geschützt, über ihnen wacht die Kraft der Nation, wacht
die Waffe in der Luft...!
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Jagdflieger 1936 - 1939
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