Jagdflieger
1920 - 1935

Jagdflieger
1936 - 1939

Jagdflieger
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Jagdflieger
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Jagdflieger
1944 / 1945

Jagdflieger
1946 - heute

 
 
Die verbotenen Jagdflieger (1920 - 1935)

Nach dem Ende des I. WK wurden am 08.05.1920 die militärischen deutschen Fliegereinheiten aufgelöst und durch den Friedensvertrag von Versailles verboten. Damit Deutschland keine neue Luftwaffe aufbauen konnte, erließen die Siegermächte am 14.04.1922 die Bestimmung für die Entwicklung neuer Flugzeuge. Dabei wurde festgelegt, dass die Höchstgeschwindigkeit neuer Konstruktionen auf 170 km/h begrenzt wird. Die Reichweite wurde auf max. 300 km festgelegt und die Flugzeit von 02:30 Std. durfte nicht überschritten werden. Die Gipfelhöhe durfte 4.000 m nicht überschreiten und die Nutzlast nicht mehr als 600 kg betragen. Deutschland konnte somit keinerlei Luftrüstung betreiben. Erst am 21.05.1926 wurden diese Baubeschränkungen mit den Pariser Luftfahrtabkommen außer Kraft gesetzt. Jetzt konnte Deutschland wieder damit beginnen Flugzeuge zu entwickeln und ohne allzu enge Beschränkung auch zivil zu fliegen.

Im Jahr 1924 wurde unter heimlicher Hilfe der Reichswehr die "Sportflug GmbH" gegründet, die ihren Hauptsitz in Stettin hatte. Die Gesellschaft diente der Ausbildung ziviler Flugzeugführer. In den zehn Fliegerschulen die im Reichsgebiet existierten, sollten sowohl Nachwuchsflieger als auch gestandene Militärpiloten einen standardisierten Auffrischung- und Übungsprogramm absolvieren. Die alliierten Siegermächte von 1918 gaben aber auch da ganz klare Regeln vor, so dass jährlich höchstens sechs Angehörige der Reichswehr flugsportlich weitergebildet werden durften. Aber auch da gelang es den Deutschen das Verbot weitestgehend zu umgehen. Sie schickten alle, die von der Reichswehr als Offizieranwärter angenommen wurden und für eine fliegerische Ausbildung in Betracht kamen, noch vor Ihren Eintritt ins Heer als Zivilisten zum Erwerb des Flugzeugführerschein auf die Fliegerschulen der Sportflug GmbH!

Deutsche Verkehrsfliegerschule (D.V.S.) in Schleißheim

Karl Bolle als Leutnant im I.WK

Im Jahr 1927 wurde die "Sportflug GmbH" in die Deutsche Verkehrsfliegerschule (D.V.S.) umgewandelt (Bild oben). Die neue Direktion wurde in Schleißheim eingerichtet. Zu den ersten "zivilen" Lehrgangsteilnehmern zählten unter anderen die späteren Jagdflieger: Günther Lützow, Wolfgang Falck und Hannes Trautloft. Sie waren Mitglieder der Kameradschaft 31 kurz K 31, wie Ihre Lehrgang in Schleißheim genannt wurde. Die Zahl 31 stand dabei für das Jahr in dem die Ausbildung zum Jagdflieger begonnen hatte. Diese Piloten werden im II. WK hoch dekorierte Soldaten (Ritterkreuz des Eisernen Kreuz, Spanienkreuz, Eisernes Kreuz I. und II. Klasse), Kommandeure von Jagdflieger Einheiten (JG3, JG54, NJG1) und erfahrene Spezialisten Ihrer Waffengattung. Der damaliger Direktor aller Schulen des D.V.S. war kein geringerer als der Rittmeister a.D. Karl Bolle (Bild links), der mit 36 Luftsiegen aus dem I. WK und der letzte Kapitän der Jagdstaffel "Boelcke" sowie Träger des Orden Pour le Mérite war. Aber auch die Lehrgangsleiter und Fluglehrer waren Piloten die entweder im 1. WK gedient, oder sich einen guten Namen durch Ihr fliegerisches können gemacht hatten. Sie hießen Albert Vierling, der als Oberleutnant a.D. im I. WK bei der Fliegertruppe seinen Dienst versehen hatte und jetzt mit der Leitung der in Schleißheim befindlichen D.V.S. beauftragt war. Otto Fruhner der mit 28 Siegen aus Luftkämpfen im I. WK jetzt als Fluglehrer in Schleißheim unterrichtete und noch viele mehr. Den Lehrgangsteilnehmern wurden so von erfahrenen Einsatz Piloten das wichtigste Grundwissen im bezug auf Ihr zukünftiges Jagdfliegerleben vermittelt. Damit war aber die Ausbildung noch nicht abgeschlossen.

Die besten Schüler wurden nach erfolgreichen Abschluss an den D.V.S. Schulen weiter zur "Sonderausbildung" nach Lipezk am Woronesch, im Süden Russlands geschickt. Dieses Ausbildungszentrum für deutsche Jagdflieger existierte offiziell gar nicht, da Deutschland nach den Willen der Sieger von 1918 keine militärischen Jagdflieger ausbilden und keine Luftwaffe unterhalten durfte. Es wurde möglich, als am 06.05.1921 Deutschland mit Russland das Handelsabkommen abgeschlossenen hatte. Am 16.04.1922 folgte der Vertrag von Rapallo. Durch das nun geschlossene Geheimabkommen zwischen den beiden Ländern, bestand die Möglichkeit militärische Waffen und Geräte in Russland zu erproben und zu testen. Den Russen wurde im Gegenzug erlaubt, bei jeden Test dabei sein und die Waffen und Geräte auch zu begutachten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse durften Sie für ihre eigene Aufrüstung und Forschung nutzen. Am 15.04.1925, nach weiteren geheimen Verhandlungen wurde den Deutschen gestattet einen Fliegerhorst zu errichten, wo sie ihre Jagdflieger ausbilden konnten. Dieses Ausbildungszentrum wurde dann in Lipezk eingerichtet. Bald trafen auch die ersten Lehrgangsteilnehmer ein um Ihre Ausbildung zu vollenden. Sie wurden von Deutschland aus als "zivile" Ingenieure oder Techniker getarnt auf die Reise geschickt, um die wahre Identität des Ausbildungszentrums geheim zu halten. Auch in dieser Fliegerschule wurden wieder auf erfahrene Piloten des I. WK zurückgegriffen, die in ihrer neuen Funktionen als Ausbildungsleiter, Waffen- und Fluglehrer den neuen deutschen Jagdfliegern den "letzten Schliff" verpassten. Der Stab der die militärischen Aktivitäten der Reichswehr in Russland steuerte, hatte seinen Sitz in Moskau. Zur besseren Tarnung des Stabs, der offiziell den Namen "Zentrale Moskau" trug, wurde der Begriff "Wirtschaftskontor Z" eingeführt.

Eins der Ausbildungsflugzeuge die in Lipezk geflogen wurde, war der Eineinhalbdecker Fokker D-XIII (Bild rechts). Dieses Jagdflugzeug mit seinen kurzen Unterflügeln und seinen englischen Napier- Lion XI V-12 Motor ist, auf sehr Abenteuerliche Weg nach Russland gekommen. Offiziell hatte die Maschinen ein südamerikanischer Staat in Holland bestellt, wo sie für den Versand per Schiff zerlegt und in Kisten verpackt wurden. Da der Kapitän offensichtlich nicht richtig Navigieren konnte oder Probleme mir der Bestimmung der Himmelsrichtungen hatte, kam er mit seinen Frachter nicht in Südamerika sondern im Hafen von Leningrad an.  

 Jagdeinsitzer Fokker D-XIII. als Schulflugzeug in Lipezk

Dort wusste niemand, was man mit den großen Kisten anfangen sollte die er geladen hatte und weil sie nur im Weg herumstanden, hievte man sie auf einen Güterzug der zufällig nach Lipezk abfuhr. Dort angekommen wurden die Flugzeuge ausgepackt und montiert und mussten schließlich nur noch von einem Piloten geflogen werden....

Um die Geheimhaltung des Ausbildungszentrums sicher zu stellen, durften keine Informationen oder Auskunft über den momentanen Aufenthaltsort oder über die Ausbildung zum Jagdflieger gegeben werden. So wurden zum Beispiel die Briefe nicht direkt an die Familie oder die Freunde gesendet, sondern über eine Scheinadresse in Berlin weiter an den Empfänger geleitet, um so die Herkunft des Briefes zu verschleiern. Ebenso wurde der Umgang vor Ort mit der zivilen Bevölkerung aus dem näheren Umfeld untersagt. Man wusste, dass der russische Geheimdienst (G.P.U.) immer wieder versucht, mit Hilfe der Zivilisten an weitere Informationen von militärischen oder geheimen Projekten zu gelangen. Leider bekamen aber auch die Flugschüler im Ausbildungszentrum nur wenig davon mit, was sich alles in Deutschland zu diesem Zeitpunkt veränderte. Fünf Mitglieder der K 31 die sich am 24.04.1932 im D- Zug auf den Weg nach Lipezk befanden, bekamen wenigstens noch das Ergebnis zu den Wahlen des preußischen Landtags mit. Die NSDAP konnte ihre bisherigen neun Mandate auf 162 verbessern und wurde so fast genauso stark wie die SPD und die anderen Parteien die es zusammen auf 163 Mandate von den insgesamt 423 Sitzen des Parlaments brachten.

Am 30.01.1933 melden die Zeitungen und der Rundfunk: "Der Herr Reichspräsident hat nach den Rücktritt der alten Regierung Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt..." Damit beginnt die Zeit der Nationalsozialisten! Am 27.04.1933 wird Hermann Göring zum Reichsminister der Luftfahrt. Noch im selben Jahr bewilligt das neu gebildete Kabinett eine Etat von 40 Millionen Reichsmark aus der leeren Staatskasse für den Aufbau der Luftwaffe. Auf Bedenken des Finanzministers über die Höhe des Etat kontert Hitler nur: "Das Fliegeroffizierkorps soll Elitekorps mit stürmischem Angriffsgeist werden...." Um die Luftwaffe vollkommen neu aufbauen zu können, erteilte Hitler aus dem neuen Haushaltjahr 1934 an Göring einen Etat von ca. 1,1 Milliarden Reichsmark. Damit war die finanzielle Grundlage für die neue deutsche Luftwaffe geschaffen.

Bruno Loerzer in Uniform des DLV

Um aber nicht direkt mit den bestehenden Bestimmungen zum Versailler Friedensvertrag in Konflikt zu geraten, und um den Eindruck der neuen Nationalsozialistischen Friedensmacht zu erhalten, gründete Göring am 25.03.1933 den Deutsche Luftsportverband kurz DLV genannt. Der Hintergedanke dabei war, alle zivilen und paramilitärischen Verbände, Vereine oder Institutionen damit zusammen zu fassen, aus denen sich Luftstreitkräfte entwickeln lassen. Bruno Loerzer (Bild links), wie Hermann Göring einst ein berühmter Jagdflieger und Geschwaderkommandeur, wird der neue Führer des DLV. Die beiden Pour le Mérite träger schafften es mühelos die alte versprengte Fliegerelite des I. WK wieder im DLV, der Tarnorganisation der neuen deutschen Luftwaffe zusammen zu fassen. Erhard Milch, zuletzt Direktor bei der Lufthansa, wird Staatssekretär bei H. Göring im Reichsluftfahrtministerium. Karl Bodenschatz der mit Göring zusammen im Richthofen Geschwader geflogen ist, wird neuer Verbindungsmann zur Reichskanzlei und Friedrich Christiansen wird zum neuen Inspekteur der Fliegerschulen ernannt. Der letzte der alten Jagdflieger (nach Manfred von Richthofen der zweit erfolgreichste Jagdflieger des I. WK) Ernst Udet, kommt im Jahr 1936 als Chef des Technischen Amtes zur Luftwaffe hinzu.

Alle weiteren Stabsoffiziere werden von H. Göring aus dem Heer abgeworben. So wird zum Beispiel der Oberst Albert Kesselring mit dem Ausbau der Bodenorganisation beauftragt. Durch Erlass Hitlers vom 26.02.1935 wurde die "Reichsluftwaffe" mit Wirkung zum 01.03.1935, eine selbstständiger Truppenverband neben dem Reichsheer und der Reichsmarine. Allerdings setzte sich der von Hitler gewählte Begriff "Reichsluftwaffe" nicht durch und es blieb bei der offiziellen Bezeichnung "Luftwaffe"! Mit einem Aufstellungsstand von 20 Land- und Seefliegerstaffeln, 20 Land- und Seefliegerschulen, der Behelfskampfstaffel der Deutschen Lufthansa und der Flugbereitschaft des Reichsluftfahrtministerium (RLM), trat die Fliegertruppe im März 1935 an die Öffentlichkeit.

Am 08.03.1935 trifft der Reichsminister für Luftfahrt (rechtes Bild) mit anderen Persönlichkeiten der Luftwaffe in Schleißheim ein, um die Ausbildung  zu inspizieren. Unsere jungen Piloten Hannes Trautloft, Wolfgang Falk, Günther Lützow und Günther Radusch von der K31 sind mittlerweile als Jagdlehrer in Schleißheim tätig. Sie kennen Hermann Göring bereits von Ihrer Grundausbildung 1931/1932 in Schleißheim. Diesmal jedoch ist der Auftritt von Hermann Göring anders. Er eröffnet den Angetretenen in einer großen und mitreißenden Rede, dass es ab den 09.03.1935 wieder eine Deutsche Luftwaffe gibt und die bis dahin als Kettenführer tätigen Mitglieder des DLV wieder Leutnant seien werden. Am 14.03.1935 erhält das in Döberitz- Damm stationierte Jagdgeschwader 132 den Traditionsnamen "Jagdgeschwader Richthofen Nr. 2"! Im weiteren Verlauf dann am 03.04.1935 werden an die Kampffliegertruppe I./154 in Faßberg den Traditionsname "Geschwader Boelcke",  die aus dem "Jagdgeschwader Richthofen Nr. 2" hervorgegangene Sturzkampffliegertruppe I./162 in Schwerin den Traditionsname "Geschwader Immelmann" verliehen. Am 20.04.1935 folgte dann noch das Jagdgeschwader 134 das dann den Traditionsnamen "Horst Wessel" führen darf.

Hermann Göring als neuer Reichsminister für Luftfahrt in DLV Uniform

Nach den ersten Demonstrationsflügen der Luftwaffe für den neuen Machtinhaber während des Jahres 1935, durch die Teilnahme am "Reichsparteitag in Nürnberg" und am "Erntedankfest" auf dem Bückeberg, wurde die Luftwaffe von 1936 an zu allen Aktionen der politischen Führung des Dritten Reiches eingesetzt. Auf dem "Erntedankfest" 1935 in Bückeburg wurde von Hitler erstmalig öffentlich die Aufgabe der Luftwaffe durch seine nachfolgenden Worte umrissen: ...Die deutschen Städte und die schönen Dörfer, sie sind geschützt, über ihnen wacht die Kraft der Nation, wacht die Waffe in der Luft...! 


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